08 08 2026 - 11 10 2026
INTERLUDIUM / Bertalan Varga

Bertalan Vargas Einzelausstellung mit dem Titel *Interludium* basiert auf einer systematischen Präsentation zweier Werkgruppen, die in den vergangenen drei Jahren entstanden sind.

Die Komposition und formale Entwicklung der „kaum ausgeformten“ Bilder, die in der Ausstellung *Please Mind the Doors Closing* (2024 in der Neon Gallery) zu sehen waren, wurden unter anderem von einem alltäglichen Detail inspiriert: den Glasscheiben mit abgerundeten Ecken – eingefasst in Gummiprofile –, wie sie an den Türen und Fenstern der Züge der Metro-Linie 3 zu finden sind. „Inspiration“ ist vielleicht nicht das treffende Wort; vielmehr handelt es sich um einen plötzlichen Moment des Staunens angesichts eines alltäglichen Anblicks, der durch ständige Wiederholung so vertraut geworden war, dass er unsichtbar schien.

Das Wesen dieser Erfahrung liegt darin, dass es keine statischen Formen an sich gibt; jede visuelle Begegnung gleicht somit einer Reise. Die Wahl des Titels birgt jedoch eine verborgenere Bedeutung und verweist auf bekannte Zeilen aus William Blakes *The Marriage of Heaven and Hell*: „Doch zunächst muss die Vorstellung getilgt werden, der Mensch besitze einen von seiner Seele getrennten Körper; dies werde ich mithilfe der Methode der Hölle tun – dem Drucken mit ätzenden Mitteln, die in der Hölle heilsam und medizinisch wirken, indem sie die scheinbare Oberfläche hinwegschmelzen und das darunter liegende Unendliche enthüllen.“

„Wären die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, würde dem Menschen alles so erscheinen, wie es wirklich ist: unendlich. Denn der Mensch hat sich selbst eingesperrt, bis er schließlich alles nur noch durch die engen Spalten seiner Höhle betrachtet.“ Die Bilder wirken durch subtile Unterschiede in Farbe und Empfindung und bewegen sich oft an der äußersten Schwelle der Wahrnehmbarkeit. Der Titel der Ausstellung ist vom Künstler sowohl ironisch als auch selbstironisch gemeint; er steht in gewissem Kontrast zur allgegenwärtigen visuellen Welt – einer Welt, die laut, schrill, maßlos und in jeder Hinsicht ungezügelt ist. Ein weiterer Teil der ausgestellten Werke gehört zur Serie „Random Structures“ (Zufallsstrukturen) – einem Werkkomplex aus zahlreichen Variationen, an dem der Künstler seit 2013 arbeitet. Dazu zählen Bilder mit reliefartigen Oberflächen, zerknitterten Texturen und linearen Rastern sowie Arbeiten, die das Rechteck als Moduleinheit nutzen und mit dessen Diagonalen spielen, um Dreiecks- und Rautenformen zu erzeugen. Auch wenn sie sich formal unterscheiden, verfolgen sie denselben Ansatz; diese Serie bildete den Kern der letztjährigen Ausstellung *Stones in the Net*. Bertalan Varga dazu: „Die Wahl des Titels entspringt einem komplexen Netz aus Assoziationen. Die Netze, die meine Arbeit hervorbringen und strukturieren, dienen als natürliche Metaphern für die Wahrnehmung. Das Netz ist ein Werkzeug, um die Außenwelt ‚einzufangen‘, zugleich aber auch ein Archetyp für die Erweiterung und Verlängerung des Körpers – von der Kleidung bis hin zum Raumschiff. Auch der Stein ist reich an Assoziationen.“ Bei den Bildern mit diagonalen Linien und Dreiecksformen weckten die Werke – mit ihrer teils gebremsten, quasi-bewegten Anmutung und ihrem großen Variationsreichtum – schon beim ersten Exponat Assoziationen an das Erscheinungsbild und die vermutete Fortbewegung von Trilobiten (ausgestorbenen marinen Gliederfüßern). Bei den Bildern hingegen, in denen eine rasterartige Struktur stärker hervortritt, evoziert der Stein kein verschwundenes oder latentes Leben; vielmehr wirkt er schmerzhaft konkret, da der vom Leinwandstoff umschlossene Kern tatsächlich aus Beton besteht.

Moderne Galerie - László Vass Sammlung
8200 Veszprém, Vár utca 3-7.

Művészetek Háza Veszprém
8200 Veszprém, Vár utca 17.